Integrale Strömungen in der Schweiz

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Geschichtliche Entwicklungen

Einen wegweisenden Beitrag für die integrale Philosophie, Kulturgeschichte und Bewusstwerdung leistete der aus Posen stammende und seit 1939 in der Schweiz wirkende Jean Gebser: Ab den 30er Jahren hat er neben einer archaischen, magischen, mythischen und mentalen auch die neu entstehende integrale Bewusstseinsstufe erkannt und beschrieben.
Ein Zitat als Beispiel:
Das neu Bewusstsein ist heute eine Wirklichkeit. Es ist da. Es wirkt. [...] Im Unterschiede zum mental-rationalen Bewusstsein, das uns nur eine betont äussere Wirklichkeit erschloss, erschliesst uns das neue, integrale, das zugleich ein arationales und aperspektivisches ist, sowohl eine innere als auch eine über uns hinausweisende Wirklichkeit. Dank dieser Bewusstseinsstärkung wird auch das Unsichtbare transparent.
Aus Jean Gebser: Auf der Suche nach dem neuen Bewusstsein. In "Vorlesungen und Reden zu "Ursprung und Gegenwart", Gesamtausgabe Band V/II, S. 56f, Novalis Verlag Schaffhausen 1986.

Auch Sigmund Freud und der in Zürich wirkende C.G. Jung beeinflussten die integrale Theorie und Lebenspraxis nachhaltig. Ihre Erkenntnisse und Theorien werden heute noch diskutiert und manchmal recht unterschiedlich interpretiert.

Jean Piaget, der in Neuchâtel geborene und von 1931 bis 1971 am Jean-Jacques Rousseau-Institut in Genf lehrende Entwicklungspsychologe schuf die erste wissenschaftliche Theorie von Entwicklungsstufen. Er fokussierte sich auf die kognitive Entwicklung von Kindern und erstellte eine Theorie über die Entstehung von Identität. Es gilt als Wegbereiter psychologisch beschriebener Entwicklungsstufen, wie sie später Kohlberg, Graves, Cook-Greuter und andere weiter führten.

Bedeutende Wegbereiter des Integralen in der Schweiz sind auch Pia Gyger und Niklaus Brantschen, die sich u.a. an christlicher Mystik, an der spirituellen Evolutionstheologie von Teilhard de Chardin, an Zen und einer spirituellen Ausrichtung über die Grenzen der Religionen hinweg orientierten. Sie gründeten 1993 das Lassalle-Institut und die Kontemplationsschule Via Integralis.

Ab den 80er Jahren entwickelte Susanne Cook-Greuter, eine gebürtige Schweizerin und in den USA lebende Wissenschaftlerin an der Harward-Universität ein Assessment-Instrument bzw. eine Orientierungskarte, welche die Bewusstseinsstufe einer Person recht genau misst. Über 9000 Personen haben bisher diesen Test benutzt. Er kann auch auf Deutsch ausgefüllt und von Fachleuten im deutschsprachigen Raum begleitet werden.

Seit der Jahrtausendwende nahm die Zahl integral orientierter Gruppen deutlich zu, z.B. mit dem Integralen Institut Schweiz in Uznach, der Integralen Politik und HOLON.
Auch die Anfänge einer integralen Bewegung nach Ken Wilber in der Schweiz gehen in diese Zeit zurück, wo ein paar Menschen begannen, sich über Wilbers Buch Eros Kosmos Logos auszutauschen. Zwischen Basel und Freiburg/Br. entstand der Integrale Salon Basel/Freiburg.

Über den spirituellen Meister Andrew Cohen entstanden regionale EnlightenNext-Meditationsgruppen, die dem integralen Gedankengut sehr nahe stehen. Seit 2016 heisst die Strömung ohne Guru emerge-bewusstseinskultur.
Die spirituelle Meisterin Annette Kaiser orientiert sich ebenfalls an der ingralen Theorie und Praxis. Sie gründet in Wilderswil bei Interlaken das Zentrum Villa Unspunnen, in dem bekannte integrale Lehrer zu Gast sind.
Aus spirituellen Kursen von Thomas Hübl und dessen Academy of Inner Science bilden sich Inner-Science-Praxisgruppen in einigen Schweizer Städten.

Ab 2008 organisierten Menschen aus verschiedenen philosophischen, spirituellen oder kulturellen Gruppen Tagungen unter dem Namen Integrales Forum Schweiz. Zwei Jahre später wurde aus der losen Gruppe der Verein „Integrales Forum Schweiz“ gegründet. Seit der Gründung hatte Anne Margreth Schoch als Präsidentin gedient, von welcher 2012 Johanna Häckermann das Amt übernommen hat.
Das Integrale Forum Schweiz versteht sich als Ermöglicher, Vernetzer und Unterstützer von integralen Initiativen, mit Ken Wilber’s Landkarte AQAL als roten Faden. In ihm arbeiten Menschen mit, die gleichzeitig in mehreren Organisationen Mitglied sind und daher eine gute Verbindung mit den vielen integralen Initiativen gewährleisten.
Inzwischen sind regionale Gruppen (Salons) entstanden, wo Teilnehmende für die Entfaltung ihres Bewusstseins und ihres Handelns in dieser Welt austauschen und üben.

Im Jahre 2012 ist der Erfahrungskreis entstanden, der sich auf die Verbindung von Liebe, Sexualität, Spiritualität und integrale Entwicklung fokussiert. Während über 40 Tagen pro Jahr finden Anlässe von mehreren Selbsterfahrungsgruppen statt. Themenschwerpunkte oder Gruppen sind z.B. "Entfaltung in Liebe", Männergruppe und Frauenkreis, Integrale Lebenspraxis, "jenseits-diesseits", "sexual flow", "Yoga der Sexualität" und Reisen zu anderen Kulturen.

Kurze Zeit später ist der Verein für integrales Leben entstanden, der sich der integralen Lebenspraxis vertieft widmet. Im Vereinslokal in Basel finden mehrere wöchentliche Abendtrainings statt. Ebenso gibt es mehrtägige Retreats.

Seit 2015 führt die E.&H.-Kulturstiftung Zürich das Forschungslabor des neuen Menschen durch. Evolution des Bewusstseins: Wohin? Meditation und Begegnung.

Die Zahl integral ausgerichteter Gruppen und professioneller Angebote nimmt deutlich zu.


Integrale Gruppen und Organisationen in der Schweiz.

Auf dieser Seite erwähnen wir Gruppen, die überregional wirken. Regional aktive Gruppen sind unter den einzelnen Regionen aufgeführt.

Die grösste mit über 500 Mitgliedern ist die Partei und Bewegung Integrale Politik. Auch diese Partei hat an mehreren Orten regionale Gruppen, wo oft ähnliche Themen behandelt werden. Der Fokus dort liegt stärker auf dem politischen Handeln, um zu einer integralen Gesellschaft zu gelangen, während die Gruppen des Integralen Forums eher auf die Bewusstseinsentwicklung bei sich und andern ausgerichtet sind. Zusammen ergänzen sie sich gut und organisieren einige Ausbildungsgänge gemeinsam.

Deutschsprachige Schweiz

Einige weitere Gruppierungen und Institute wenden mehr und mehr die integrale Landkarte nach Ken Wilber an. Zu erwähnen sind:

 

Französischsprachige Schweiz

In der französischsprachigen Schweiz können vor allem Menschen im Umfeld der Politique Intégrale Romandie erwähnt werden.

  

Italienischsprachige Schweiz

In der italienischsprachigen Schweiz kommen die Gruppen von Willi Maurer und (direkt nach der Landesgrenze) von Luca Bordoli +39 (0)332 531 954 der integralen Lebenspraxis am nächsten (mehr auf Website von Holon unter Holon-Cafés).
 

Schweizer Autorinnen und Autoren

Mit ein paar wenigen Links erwähnen wir hier das Werk von Jean Gebser und von Jean Piaget, die Dissertation und ein Interview auf DVD von Susanne Cook Greuter,
Bücher von Pia Gyger, Niklaus Brantschen, Annette Kaiser, Jürg Theiler, Werner Kaiser, Esther Räz und Fredy Kradolfer.

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