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Zur Pandemie

15.03.2020 Kategorie:Integrale Gesellschaft  Erstellt von: silas

Liebe Integrale Gemeinschaft
 

Es ist derzeit beinahe unmöglich, den täglichen Neuigkeiten über die Pandemie zu entfliehen. Trotzdem möchte ich hier im Namen des Integralen Forums Schweiz dazu Stellung nehmen.

 

Die grosse Angst, die sich durch die Bevölkerung zieht, ist kaum zu übersehen. Sei sie bewusst oder unbewusst; betritt man die Strasse, scheint das Thema allgegenwärtig zu sein. Ich möchte nicht darauf eingehen, ob diese Angst berechtigt ist oder nicht und was die statistischen Begründungen sind – denn die Angst ist da und sie ist echt. Was mir viel wichtiger scheint, ist die Tatsache, dass jede Angst auf etwas hindeutet, was uns wichtig ist. Und das ist etwas, das man nicht in den Nachrichten sieht und auch nicht bei den ständigen Diskussionen im Alltag zum Thema wird. Deshalb greife ich es hier auf.

Es gibt meiner Meinung nach zwei Arten von Angst, welche diese Situation bei uns auslöst: eine Persönliche und eine Soziale. Je nach Person ist dabei wahrscheinlich eine davon mehr im Vordergrund.
 

Die persönliche Angst ist einfach zu umreissen: Es ist die verkappte Angst vor dem Tod. Wie gesagt möchte ich gar nicht auf die Diskussion über Statistiken und „objektive“ Bedrohungen eingehen, denn unsere Todesangst ist nicht etwas, das sich von unserer Vernunft leiten lässt. Sie nimmt sich irgendein Szenario und beisst sich dort fest. Gibt es keine Bedrohung, die offensichtlich genug ist, sucht sie sich kleine Dinge wie Pestizide im Trinkwasser, 5G-Strahlung und so weiter. Dabei entscheidet in erster Linie die Bewusstseinsstufe, welches Objekt die Angst sich nimmt. Während Grün die grossen Bedrohungen in Umweltschäden sieht, sorgt sich Orange generell um die Wirtschaftslage und die eigene Pension, während für Bernstein die grössten Bedrohungen im Ausland und bei den Immigranten liegen. Alle diese Probleme sind vollkommen real. Und wie immer gibt es dabei kein Problem, solange wir uns bewusst über unsere Emotionen, Gedanken und Handlungen sind. Sind wir das nicht, führt es zu festgefahrenen Diskussionen, die wenig Objektivität in sich tragen und zu Entscheidungen, die von Angst geleitet sind anstatt von Weisheit.

Wenn wir uns aber unserer Angst vor dem Ende bewusst sind, merken wir, dass sie häufig und sehr irrational auftritt. Sie erhält dann den Platz in unserem Geist, der ihr gebührt: Ein regelmässiger Wecker, der klingelt und sagt: „Dein Ende naht!“ Doch was liegt dahinter? Ich habe oben erwähnt, dass hinter jeder Angst etwas liegt, das uns wichtig ist. Also schlussendlich Liebe. Die Angst trägt also auch die Botschaft: „Geniesse diesen Moment, denn es gibt ihn nur einmal!“ 
 

Die andere Angst, die eine Situation wie diese auslöst ist die Soziale. Was ich damit meine, beschreibe ich am besten aus meiner persönlichen Perspektive, denn bei mir ist diese Angst im Vordergrund. Ich bin in Arlesheim im Raum Basel geboren und aufgewachsen. Und obwohl es viele schöne Ecken auf der Welt gibt, habe ich nicht vor, hier wegzugehen. Ich wohne und arbeite hier und möchte den Rest meines Lebens hier verbringen – denn ich mag diesen Ort sehr. Was ich nun beobachte tut mir weh: Ich sehe, wie Menschen sich aus Angst voreinander isolieren, wie die kleinen Begegnungen unter Mitbürgern im Dorf nicht mehr geschehen, weil jeder so schnell wie möglich wieder nachhause will. Ich sehe, wie die Aufmerksamkeit für die kleinen Dinge, die dieses Dorf so schön machen, schwindet. Niemand hält an, um etwas vom Boden aufzuheben und wegzuwerfen, denn da ist Angst. Gleichzeitig macht mir die Vorstellung Angst, dass diese Epidemie hier ausser Kontrolle gerät und unser System überlastet. Dass dadurch mehr Menschen zu Schaden kommen, als nötig und dass die Wut darüber uns noch weiter auseinander treibt. Natürlich verbirgt sich auch hinter dieser Angst Liebe: Mir ist dieser Ort wichtig und ebenso die Menschen.
 

Ich möchte uns alle dazu anhalten, uns die Liebe wieder ins Bewusstsein zu rufen. Anstatt mit unserer Angst zu kämpfen sollten wir sie akzeptieren, ihr den Raum geben, den sie benötigt und uns dann wieder darum kümmern, was uns wichtig ist. Robb Smith von IntegralLife schreibt treffend: “A virus, or any destabilizing world event, is in part only as strong as we allow it to fray our social bonds. We are always stronger together.“

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