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Studienreise in Eritrea

17.02.2018 Erstellt von: Remigius Wagner

Ein Versuch, dieses Land, deren Leute und Bezüge zu uns mit der integralen Landkarte tiefer zu verstehen.

Im Februar 2018 besuchen wir während vier Wochen eines der ärmsten Länder der Welt. Eritrea ist wegen den Freiheitskriegen, der Jahrzehnte alten diktatorischen Regierung und den Flüchtlingsströmen auch ein strittig diskutiertes Land, das wir vor Ort tiefer erleben und verstehen möchten. Was wird uns wohl erwarten?

Harnet Street in Asmara. Rechts ein Bau aus nationalsozialistischer Zeit.Reiseart und Wohnkomfort

Am Mittwoch 7.2.2018 sind wir in Asmara, der Hauptstadt von Eritrea angekommen. Unsere Reiseroute über Bern-Brig-Mailand und Kairo war recht angenehm, günstig und kurzweilig.
Wir haben übers Internet für die ersten zwei Nächte ein eher luxuriöses und teures Hotel ausgesucht, um einen sicheren Ausgangspunkt zu haben. In diesen ersten zwei Tagen geben wir uns Zeit, vor Ort bei Bedarf eine passendere Unterkunft mit gutem Preis-Leistungsverhältnis zu finden. Das entspricht unserer alten Methode als Individualreisende, als es noch kein Internet gab. Aktuell sind nur sehr wenige Unterkünfte und nur mit unvollständigen, manchmal veralteten Informationen im Internet zu finden. Eine verbindliche Buchung mit Vorauszahlung ist kaum möglich, weil in Eritrea keine Kreditkarten benutzt werden. Am liebsten hätten wir ein Zimmer bei einer Familie oder Gemeinschaft gemietet, um mehr vom Alltagsleben dieses Landes mitzubekommen, aber es stehen fast nur Hotels zur Auswahl. Die besichtigten Hotelzimmer sind einfach und sauber genug, etwa so wie ein Zweistern-Hotel in Italien oder Spanien. Aber nicht selten weisen sie Wartungsmängel auf, z.B. ein schlecht funktionierender Wasserhahn, fehlendes Warmwasser, defekter Fernseher, abblätternde Tapete, defekter Vorhang, blockierte Fensterstoren, verschwundener Spiegel im Bad, wackeliges Mobiliar oder ähnliches. Den Gebäuden ist anzusehen, dass sie schon bessere Zeiten erlebt hatten. Sind das Folgen der internationalen Sanktionen gegen Eritrea, oder besteht nur eine allzu lockere Auffassung im Erhalt und in der Wartung von Objekten? Im Hotel unserer Wahl muss zweimal pro Tag ein Tanklastwagen Wasser fürs ganze Haus bringen, weil die direkte Wasserversorgung während ein paar Wochen oder Monaten(?) nicht mehr funktioniert. Damit steht den Gästen für ein paar wenige Stunden Wasser zum Duschen oder Händewaschen zur Verfügung, bis das Reservoir des Hauses wieder erschöpft ist. Es ist also gut, vor Ort abzuwägen, womit wir gut leben oder mit eigenen kleinen Massnahmen etwas verbessern können und wo unsere individuellen Komfortansprüche unterschritten werden. In meinem Heimatland ist es üblich, ein Haus im Schuss zu halten und es laufend noch komfortabler zu machen. Ist uns Komfort gewohnte Europäer noch bewusst, welche Wohn- und Lebensstandards wir wirklich brauchen, um gesund zu leben und glücklich zu sein?

Dank der Hilfsbereitschaft von Freunden in der Schweiz und deren Freunden oder Verwandten hier in Eritrea haben wir es überhaupt erst gewagt, dieses Land zu besuchen. Mit ihrer anfänglichen Unterstützung sind wir in unserer Reiseplanung gut vorangekommen und erhalten schnell die gewünschten Auskünfte. Begleitend dazu machen wir uns über Medien schlau, anfänglich über verschiedene Texte und Videos im Internet, dann im Buch von Hans-Ulrich Stauffer über "Eritrea. Der zweite Blick" beim Rotpunktverlag Zürich 2017 und im e-book "Art and Culture of Eritrea. Custom, People, Ethnic, Religion, Tourism, History, Sport" von Mason Bass bei Sonit Education Academy 2016. Weitere Medien, die am Schluss aufgeführt sind vertiefen unsere Wahrnehmung und unser Verständnis über Eritrea. Mit all diesen Infos und mit Gesprächen darüber sind wir reichlich beschäftigt.

Fiat Tagliero, die futuristische Tankstelle in AsmaraKultur und Sicherheit

In Asmara befinden wir uns in einem kleinen Villen- und Botschaftenquartier. Gleich nebenan sind die Strassen des Zentrums. Nachher folgen Quartiere mit einfachen Bauten der ärmeren oder ursprünglicheren Bevölkerung. Der Kolonialherr Italien hatte zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Bevölkerungsgruppen stadtplanerisch getrennt und die Architektur Asmaras seit den dreissiger Jahren bis zum zweiten Weltkrieg massgeblich geprägt. Im Villenquartier wohnten damals die Italiener. Dort merkt man auch heute kaum, dass wir in Afrika sind. Die Stadtstruktur und viele Bauten der Moderne sind bis heute erhalten geblieben und haben dazu beigetragen, dass Asmara seit 2017 als UNESCO Weltkulturerbe gilt. Wir besichtigen ein paar besondere Bauten des Futurismus und des Italienischen Faschismus, von denen in anderen Ländern wegen Krieg oder Neubauten weniger erhalten geblieben sind. Doch es braucht Geld und Know-How, diese architektonischen Schmuckstücke von Weltrang angemessen zu restaurieren. Eritrea fehlen die Ressourcen dazu, weil es zur Zeit mit anderen Herausforderungen konfrontiert wird. Unterstützung aus der internationalen Gemeinschaft wäre auch hier nötig.

In dieser Stadt ist es fast so sauber und ruhig wie in Südeuropa. Der Strassenverkehr ist diszipliniert, fast wie bei uns in Wohnquartieren von Deutschen oder Schweizer Städten. Menschen bewegen sich den Boulevard entlang, tagsüber eher zielstrebig und einfach gekleidet, am Abend oft elegant angezogen und langsam flanierend. Italianità, die Lebensweise Italiens scheint immer noch durch. Ich hatte es mir in diesem besonders armen Land Afrikas und nach Erfahrungen aus anderen Drittwelt- oder Schwellenländern hier chaotischer und schmutziger vorgestellt. Eher zu meinen bisherigen Vorstellungen passt der Zustand der Verkehrsmittel: Die Autos sind meist alt und leicht verbeult. Alter Fiat als FahrschuleDen TÜV oder die Kontrolle der Fahrtüchtigkeit würden die meisten bei uns nicht überstehen. Sie könnten aber mit etwas Aufwand wieder flott gemacht und bei uns als Oldtimer oder Newtimer gehandelt werden. So tuckern noch originale VW-Käfer und die klassischen Fiat 100, 124 und 500 herum, als ob wir uns noch in den sechziger Jahren befinden würden. Motorroller gibt es noch sehr wenige hier. Ein Auto kann sich eine normale Familie noch weniger leisten. Wie lange wird es dauern, bis sie die Strassen verstopfen, die Parkplätze füllen, die Luft mit Abgasen stickig machen und bis ihr Geröhre die Geräuschkulisse der Stadt mitprägt? Die Stadtbusse haben in anderen Ländern längst ihr Pensionsalter erreicht und finden hier ein zweites oder drittes Leben, dumpfen, tiefen Motorenlärm und eine dicke, schwarze Abgaswolke von sich lassend. Nicht selten sind sie bis auf den letzten Quadratcentimeter mit Passagieren beladen, weil sie vermutlich weniger häufig fahren, als Bedarf besteht.
Der Strassenbelag weist oft Löcher auf und ist nicht wie bei uns mit weissen Markierungen signalisiert. In der Nacht ist die Beleuchtung der Strassen und der Fahrräder dürftig. Das erfordert besondere Aufmerksamkeit. Menschen bewegen sich in der Halbdunkelheit, wo man sich nur beschränkt sieht. Alte Fahrräder, die vermutlich auch aus unseren Ländern stammen huschen ohne Licht vorbei. Das ist für mich gewöhnungsbedürftig, weil ich die Dunkelheit auf den Strassen in solch einem fremden Land noch mit Gefahr verknüpfe. Wie war es bei uns in Siedlungen, als es noch keine Strassenbeleuchtung gab? Ich spürte anfänglich eine Alarmhaltung in mir, wenn Männer und Frauen in der Dunkelheit aus einem Eingangstor hervorhuschten oder an Mauern oder Strassenecken scheinbar absichtslos herumstanden. Polizei in Uniform sehe ich kaum, weniger als bei uns daheim. Betrunkene oder aggressiv wirkende Menschen gibt es ebenso wenig. Kriminalität ist nicht spürbar. Die Menschen verhalten sich ruhig und gesittet. Menschen um uns herum oder Passanten schreiten in der Art einer sozialen Kontrolle sachte, aber bestimmt ein, wenn Kinder zu neugierig oder übermütig auf uns zukommen oder jemand hartnäckig bettelt. Ab und zu sitzen oder liegen eine Frau mit Kind oder ein alt oder gebrechlich wirkender Mann am Trottoir, die unaufdringlich betteln. Die Autos halten sich in der Regel an die Geschwindigkeitslimite innerorts von 40km und bremsen frühzeitig ab, wenn jemand über die Strasse möchte. Das alles erscheint mir für südliche Länder aussergewöhnlich diszipliniert. In der Geräuschkulisse der Stadt gestalten Gesänge des Muezzin und christliche Kirchenglocken paritätisch die Struktur des Tages mit. In verschiedenen Quellen lesen wir, dass Eritrea für Reisende eines der sichersten Länder Afrikas ist. Das ist vermutlich das, was man als Tourist als erstes wissen möchte und einem zuerst auffällt. Wir möchten noch etwas tiefer in diese Kultur einsteigen, mit Menschen in Austausch sein, deren Geschichte(n) kennen lernen, Fragen stellen, was wir von ihnen wissen möchten und vielleicht gar uns selber noch nie gefragt hatten, uns selber dabei reflektieren.

Dächer, Türme und Strassen im alten Stadtteil von AsmaraFragen zur Familie und zum Innenleben

Gelegentlich grüssen wir Menschen auf der Strasse oder in Restaurants. Meist wird das freundlich und ruhig erwidert. Im Unterschied zu unseren bisherigen Indienreisen ist es hier angenehm, nicht ständig von einem Händler zu einem Geschäft oder einer sonstigen Aufmerksamkeit angemacht oder gar hartnäckig verfolgt zu werden. Nur dreimal innert zwei Wochen kam jemand auf uns zu und begann, ungefragt von seiner Glaubensrichtung zu erzählen oder uns einen Stadtplan anzudrehen, um sich nach kurzer Zeit auch wieder zu verabschieden. Täglich haben wir Kontakte mit Personen, z.B. mit Taxifahrern, mit Händlern, Beamten, Hotelangestellten, Menschen im Restaurant, in einem Bus, vor einem Shop oder solchen, die wir nach dem Weg fragen. In den vier Wochen unseres Aufenthalts entstehen somit viele Kontakte unterschiedlicher Tiefe und Länge mit Menschen aus Eritrea, mit Vertretern von Hilfsorganisationen und im diplomatischen Umfeld. Je nachdem bei wem oder in welchem Kontext stellen wir einzelne unserer vielen Fragen. Gelegentlich fragen wir sie, ob sie Verwandte im Ausland haben. Das wird fast immer bejaht und genauer erläutert. Es scheint mir inzwischen, dass fast jede Eritreische Familie Mitglieder irgendwo auf der Welt hat, die einen Teil ihres Einkommens an ihre Ursprungsfamilie zurücksenden. Das ist schon seit einer bis mehreren Generationen so. Für ältere Menschen bedeutet das so etwas wie eine Altersrente, weil es so etwas auf staatlicher Basis noch nicht gibt; vielleicht ist es gar eine Überlebenshilfe für die ganze Familie, wenn es nicht gelingt, eine Stelle mit genügend Einkommen im Land zu finden. Die meisten Monatseinkommen scheinen zwischen hundert und zweihundert Euro pro Monat zu liegen, ein paar wenige, z.B. Militärdienst leistende sogar weniger. Die befragten Menschen geben uns ruhig, bereitwillig und entspannt Auskunft, manchmal auch in recht persönlichen Themen wie Gesundheit, Religion, Einkommen, ihrem Dienst im National Service, ihren Karrierewünschen oder familiären Verhältnissen. Mit politischen Fragen sind wir anfänglich zurückhaltend gewesen. Aber auch darüber zu sprechen, scheint für Einheimische kein Problem zu sein, selbst wenn sie sich regierungskritisch äussern. Das scheint uns jedoch im privaten Umfeld bleiben zu müssen. Öffentliche Beschwerden oder Kundgebungen gegen die Regierung würden nicht toleriert und könnten mit harten, unverhältnismässig hohen Strafen verfolgt werden. Auf Studienreisen interessiert uns normalerweise eher die Verbindung von Partnerschaft, Sexualität und Spiritualität, weil es immer noch Tabuthemen unserer Gesellschaft sind und weil wir uns im Erfahrungskreis vertieft damit beschäftigen. Eigentlich möchten wir damit gerne noch tiefer gehen. Ebenso über emotionale Gesundheit, Familienleben, Kindererziehung, Körperarbeit, Einstellung zum Tod und Jenseitsvorstellungen würden wir gerne mehr erfahren. Es ist nicht sicher, ob uns das gelingen wird; das wäre ja auch bei uns nicht so selbstverständlich.

Die politische Situation in diesem Land drängt sich uns diesmal stärker auf als sonst, weil im demokratischen Westen sehr unterschiedliche Meinungen und viele offene Fragen über Eritrea kursieren. Asylsuchende, Amnesty International und ein Bericht der Uno A/HRC/32/47 vom 8.6.2016 zeichnen ein Bild von Unterdrückung und Verfolgung von diesem Staat und seiner Regierung. Polemische, gegensätzliche Aussagen in Medien ziehen uns in Aspekte dieses Landes, mit denen wir uns bisher wenig beschäftigt haben. Diesmal fordern sie uns mental, energetisch und emotional heraus, belegen unsere Gedanken und begleiten uns anfänglich gar in Träumen weiter. Es sind Schichten des Lebens und der Gesellschaft, mit denen wir in unserem Heimatland nicht so schnell in Kontakt kommen. So stellen wir uns halt dieser Thematik, die uns sehr komplex erscheint. Werden wir die wesentlichen Zusammenhänge durchblicken und verstehen können? Wird uns die integrale Landkarte genügend von Nutzen sein, um einen umfassenden, tiefen und unvoreingenommenen Blick auf Eritrea und die Bezüge zu uns zu erlangen? Das fühlt sich anspruchsvoll und arbeitsintensiv an.

Einzelne Orte und Lebenssituationen

Nicht selten gibt es auch leichte und fröhliche Kost, mehr als nur in Form von gutem Essen. An einem Sonntag konnten wir einer Hochzeitsfeier im Garten des Restaurants zuschauen und zuhören. Zwei Brautpaare umgeben von vielen feierlich gekleideten Menschen hüpften und tanzten zur Musik. Der ganze Garten schien mitzuschwingen. Die zwei Paare wurden mit Rosenblättern und farbigen Papierstreifen überhäuft. Möge es ihnen gut gehen auf ihrer Paarreise durchs Leben. Womit werden sie sich befassen dürfen oder müssen, dort wo sie persönlich, kulturell und in den grossen Umwälzungen unserer Zeit stehen? Wird der traditionelle Familienclan weiterhin ihr Leben bestimmen oder werden sie eher ihr eigenes, vielleicht gar modernes Bild von Familie mit Idealen des Westens leben können?
Heiter sind auch die kurzen Begegnungen mit Schulkindern, wenn sie in kleinen Gruppen ihre Schüchternheit überwinden und im Kontakt mit uns versuchen, ihre gelernten Englischwörter anzuwenden. Wer kennt sie nicht, die üblichen Fragen, wie "What is your name?" und "Where do you come from?" Auch die vielen fast schüchtern Händchen haltenden Paare von jungen Erwachsenen auf der Strasse oder in Restaurants entlocken uns ein Lächeln und lassen uns an frühere Zeiten erinnern.

Weisse Menschen sind selten in diesem Land. Die meisten unter ihnen sind im Rahmen einer Hilfsorganisation hier, z.B. ein Dutzend Deutsche Ärzte, die in öffentlichen Spitälern arbeiten und Weiterbildung geben. Mit einem Projektleiter aus dem Kanton Bern, der für SUKE, DEZA und die Eritreische Gewerkschaft ein Weiterbildungsprojekt für Berufsleute koordiniert, konnten wir zur Hafenstadt Massawa am Roten Meer mitfahren. Passstrasse und Berglandschaft zwischen Asmara und MassawaDie Reise dorthin durch die Berglandschaft von 2300 Höhenmetern hinunter bis auf Meereshöhe ist wunderschön, etwa so, wie wenn wir übers Engadin und den Berninapass oder das Südtirol nach Italien ans Meer fahren würden. Auch die Menschen in Massawa wirken freundlich und gelassen. Die meisten scheinen in Hütten zu leben, die mit Wellblechstücken gedeckt sind. Beim Lesen dieser Zeilen könnte man annehmen, es handle sich um einen Slum. Aber diese einfachen Hütten und Strassen sind ordentlich gepflegt. Es hat genug Platz für Verkehrsmittel, zum Spielen und für Stühle, um mit Quartierbewohnern zusammensitzen zu können. Massawa ist eine wichtige Hafenstadt für Eritrea. Sie hat einen architektonisch bedeutenden Altstadtteil aus ottomanischer Zeit (der Türken). Er wurde vor rund 30 Jahren im Befreiungskrieg von den die Äthiopische Armee unterstützenden Russen bombardiert und fast gänzlich zerstört. Es fehlt immer noch das Geld für einen Wiederaufbau der Bauruinen. Das zerbombte Gebäude der Banco d'Italia in MassawaMan stelle sich vor, man hätte Deutschland noch dreissig Jahre nach dem Weltkrieg in Schutt und Asche liegen lassen und keine finanzielle Unterstützung zukommen lassen. Wäre es möglich, eine Art Marshall- oder Putin-Plan für Eritrea zu entwickeln? Viele Bewohner von Massawa leben heute immer noch in Provisorien. Der Staat treibt mithilfe des National Service den Bau von neuen Wohnsiedlungen voran, um die Wohnsituation zu verbessern. Während dem viertägigen Aufenthalt in Massawa erhalten wir Gelegenheit, mit Hans, dem Projektleiter aus der Schweiz über Technologie, Kultur, Geschichte, Politik, Religion, Wirtschaft, Migration und über Hilfsprojekte auszutauschen. Später treffen wir Hans-Ulrich Stauffer, den Autor des erwähnten aktuellen Buches über Eritrea "Eritrea. Der zweite Blick" in Asmara. Mit ihm besprechen wir ähnliche Themen, ebenso Entwicklungspotentiale von Eritrea und von weiteren Afrikanischen Staaten. Diesem Autor würde ich aufgrund seines Denkens und Handelns ein integrales Bewusstsein anerkennen. Es ist interessant und lehrreich für mich, jemandem zu begegnen, der die integralen Begriffe nicht anwendet und die integrale Theorie und Praxis von Ken Wilber oder von anderen Vertretern noch nicht kennt. Das ermahnt mich zu mehr Offenheit und Bescheidenheit im Selbstbild und Auftritt als Vertreter eines integralen Bewusstseins. Einheimische Projektverantwortliche vor Ort ergänzen unseren Blick und unser Verständnis für das Leben in Eritrea. Vielleicht haben auch wir bei ihnen mit unserer Blick- und Frageweise etwas zur Reflexion beitragen können.

Ansätze einer integralen Blickweise

Im Versuch, ein genaueres Bild über die politische Lage von Eritrea und die öffentliche Diskussion über dieses Land zu erhalten, versuchen wir, objektiv und neutral zu bleiben. Das ist nicht immer einfach, denn je nach gelesenem Text, gehörtem Argument und vorübergehend eingenommenem Standpunkt fühlt sich unser Blick auf Eritrea anders an. Wir sehen uns auf unsere gewohnten Konzepte und Denkgewohnheiten zurückgeworfen und durchgeschüttelt. Welcher Informationsquelle können wir vertrauen? Was bedeutet Unvoreingenommenheit und Objektivität in unserem Vorgehen und in jenem von anderen Menschen? Was bedeuten überhaupt Diktatur, Demokratie, Freiheit, Wohlstand und weitere Werte genauer? Sind sie interpersonell fassbar, können sie einheitlich definiert und verstanden werden, oder sind es eher nur Worthüllen, denen wir uns vage annähern? Welche Bedürfnisse und Werte vertreten die Menschen hier? Wo und wie trage ich als Leser oder Konsument von Informationen und als Besucher eines Landes Mitverantwortung? Das sind Fragen, mit denen wir uns konfrontiert sehen. Vielleicht sind dies Herausforderungen für Menschen, die sich mit der integralen Landkarte im Leben orientieren. Die Welt scheint nicht mehr so leicht auf richtig oder falsch reduziert werden zu können. Es geht auch nicht mehr darum, vehement nur für oder gegen etwas zu diskutieren, sondern vielmehr, ein differenzierteres Bild mit mehreren Standpunkten einzunehmen und eine grössere Freiheit oder Neutralität zu bewahren, möglichst frei von Identifikation mit etwas. Damit können wir eine tiefere Schicht, eine breitere Sicht und wesentlichere, zukunftsweisende Aspekte besser wahrnehmen und in Worte fassen. Ich nehme mir vor, künftig auch zu Hause in der Schweiz aufmerksamer zu sein, aufgrund welcher Quellen ich mir eine Meinung bilde und wann ich voreilig urteilen möchte. Eine Reise in andere Kulturen erlebe ich gleichzeitig als Standpunktwechsel, der neue Sichtweisen ermöglicht und gewohnte Muster des Alltags hinter sich lässt oder leichter erkennbar macht. Nach vertiefter Lektüre und einigen Gesprächen mit Menschen zeichnet sich allmählich eine Ordnung im Chaos unserer Wahrnehmungen über Eritrea ab, aber es scheint uns immer noch unmöglich, all das genügend sortieren und gewichten zu können. Wir sind ja nicht Spezialisten dieser Thematik. Wir sehen nur einen Teil des Ganzen. Ein paar Aspekte sind dennoch für uns bedeutsam oder offensichtlich geworden, die wir in diesem Text miterlebbar machen möchten.

Wandel von Bedürfnissen und Werten in Eritrea

Viele junge Eritreer scheinen sich seit ein paar Jahren nicht mehr mit der bisherigen Kultur der Volksstämme, dem Heldentum der Befreiungskämpfer und der langweiligen und bedrohlichen militärischen Präsenz an der Grenze zu Äthiopien zu identifizieren. Die Regierung konnte vor allem in den neunziger Jahren durch geeignete Massnahmen erreichen, dass Hungersnot, Wassermangel, Stammesfehden, religiös motivierte Kämpfe gegeneinander, die Unterdrückung durch fremde Mächte und eine Unterversorgung im Gesundheitswesen weitgehend überwunden sind, Die basalen Grundbedürfnisse zum Überleben sind damit weitgehend erfüllt. Das ist eine wichtige Leistung. Nun wird der Weg frei für die Verwirklichung nächster Schichten oder Stufen, nach Maslow z.B. Sicherheitsbedürfnisse, soziale Bedürfnisse, individuelle Bedürfnisse und die Möglichkeit, breites und tiefes Wissen zu erlangen. Die Gefahr zurückzufallen ist zwar noch nicht ganz gebannt: Fundamentalistisch motivierte Gruppen im Ausland und latent auch in Eritrea könnten schnell einen Konfessionskrieg entfachen. Der Nachbar Äthiopien hat den vom internationalen Gericht bestimmten aktuellen Grenzverlauf immer noch nicht anerkannt. Vielleicht provoziert auch Eritrea mit seiner starken Militärpräsenz und seinen guten Beziehungen oder gar Unterstützungen von ethnischen Minderheiten jenseits der Landesgrenzen. Es ist ein angespannter Zustand ohne Krieg und ohne wirklichen Frieden. Die Uno hat die Sanktionen gegen Eritrea noch nicht gelockert. Über Internet, Satellitenfernsehen und Besuche von im Ausland lebenden Eritreern macht sich die Bevölkerung ein Bild von Frieden, Erfolg, Wissen und Wohlstand in vielen Ländern der Welt. Das mag spannender wirken als die Arbeitslosigkeit oder der Einsatz im National Service für das Wohl eines sozialistisch geprägten Staates, der die wirtschaftlichen und politischen Folgen der Sanktionen mehr und mehr zu spüren bekommt.

Potentiale und Gefahren

Ich kann mir vorstellen, dass die Uno-Sanktionen die Immigration oder Asylsuche von Eritreern in wohlhabenderen Ländern fördert und dass viele Staaten der Welt das irgendwie bezahlen müssen. Gäbe es nicht geeignetere nationale und internationale Massnahmen, um diese problematischen Wechselwirkungen in eine bessere Bahn zu bringen? Müsste es nicht im Interesse der internationalen Gemeinschaft sein, dass die von der Eritreischen Regierung geförderte Toleranz zwischen Ethnien und Konfessionen noch mehr stabilisiert und für umliegende Länder ein Vorbild werden kann? Nach meiner Ansicht besteht die Gefahr, dass nach einem Machtwechsel der Regierung die Einheit auseinander fällt und so etwas geschieht wie mit Ex-Jugoslawien. Da müsste die internationale Gemeinschaft doch an geeigneten Präventionsmassnahmen interessiert sein, nicht erst dann, wenn wir mit erhöhter Migration und politischen Spannungen konfrontiert werden. Mir sind leider nicht genügend Hintergründe bekannt, um diese komplexe Thematik umfassend verstehen und in Form von geeigneteren Massnahmen beschreiben zu können. Dafür ist ein interdisziplinäres Zusammenwirken von Fachleuten verschiedener Bereiche und von Betroffen erforderlich. Ich möchte mich auch nicht einfach mit Argumenten identifizieren, die polarisierend wirken und die ich irgendwo gelesen habe. Vielmehr interessiert mich, das Ganze, vor allem die dahinter liegenden Motivationen und Handlungsmuster zu verstehen, mich in unterschiedliche Positionen einzufühlen und Gemeinsamkeiten zu sehen.

Eritrea und die Schweiz - ein Vergleichsbeispiel

Da fällt mir auf, dass nicht nur Eritrea heute, sondern auch wir Schweizer im ersten und zweiten Weltkrieg über viele Jahre unsere Landesgrenzen schützen mussten. Meine Grosseltern hatten das noch erlebt und mir Details in bewegten Worten geschildert, als ob es erst gestern gewesen wäre. Wir aus beiden Ländern, Schweiz und Eritrea scheinen eine ausgesprochene Vorliebe für je unseren eigenen Weg und eine Unabhängigkeit gegenüber anderen, grösseren Staatengemeinschaften zu haben, fast so wie Asterix und das kleine unbeugsame Gallische Dorf mitten im Römischen Reich. Im Innern unseres Landes sind wir beide mit mehreren Ethnien und Landessprachen konfrontiert und pflegen ein möglichst ausgewogenes Gleichgewicht unter ihnen. Vielleicht ist Eritrea gar eine urtümlichere Schweiz als wir heutige Schweizer es noch sind. Die aktuelle Bedrohung von aussen und der jahrelange Grenzschutz scheint die Eritreer in ihrer Unabhängigkeitsliebe und ihrem nationalen Selbstbewusstsein zu stärken, etwa so, wie wir Schweizer es während den Weltkriegen erlebt hatten. Ihr Militärdienst oder National Service ist gar länger als unsere Wehrpflicht. Für viele Eritreer ist dieser National Service aufgrund der aktuellen Lage und der unbekannten Dauer bedrohlicher als vergleichbare Einsätze für uns Schweizer.

Wie wird in Eritrea später der Wechsel in einen Frieden und eine Demokratie gelingen? Hier scheinen sich Unterschiede zur Schweiz oder zu Nordeuropa generell abzuzeichnen. Ich versuche es spielerisch mit der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg zu vergleichen: Man stelle sich vor, in der Schweiz würde man heute noch fast täglich über die Grenzbesetzung, die Generalmobilmachung und den Schweizer General Guisan berichten, die vielen Armeeangehörigen und Zivildienst leistenden des zweiten Weltkriegs würdigen, im nationalen Fernseher regelmässig Videos über den Aktivdienst jener Zeit zeigen, und den Erfolg der Igeltaktik unseres Militärs hoch halten. Es bestünde immer noch eine Regierung in unserem Land, die primär militärisch statt demokratisch und diplomatisch denkt und Konflikte gegen aussen und innen mit Waffengewalt zu lösen versucht. Wilhelm Tell, Winkelried, die Befreiungskämpfe der alten Eidgenossen, die schier unendliche Aufzählung von Schlachten im Geschichtsunterricht und Museumsräume voller Hellebarden, Rüstungen oder eroberter Kriegsgeräte würden immer noch als primäre Identifikationsmythen unseres Landes aufrecht erhalten. Das alles, was damals dem physischen Überleben diente wird heutige Nachkriegskinder kaum mehr für die Zukunft der Schweiz begeistern, so wenig wie derzeit in Eritrea. Da sind andere Werte und andere Prioritäten im politischen Handeln gefragt. Man stelle sich darüber hinaus vor, wie anders die Schweiz sich weiter entwickelt hätte, wenn ihre Armee nach Ende des Weltkriegs ihre Macht nicht ans Parlament zurück gegeben hätte, General Guisan und ihm nahe stehende Offiziere nach Ende des Weltkriegs sich als Bundesräte der Schweiz gewählt hätten, die Macht der oppositionellen Parteien wie der SP weiterhin verboten oder eingeschränkt worden wären, die Rechtsprechung primär im Stile des strengeren Militärgerichts weiter geführt worden wäre und die Bevölkerung weder abstimmen noch ein Parlament wählen könnte. Auch Einsprachemöglichkeiten oder Beschwerden gegen Entscheide oder Handlungen der Regierung würden nicht bestehen. Klingt unmöglich, oder nicht?

Wieso ist der Übergang in eine Demokratie in der Schweiz geglückt und in Eritrea ins Stocken geraten? Das mag vermutlich mit der längeren demokratischen Tradition der Schweiz oder Nordeuropas zusammenhängen, z.B. der Aufklärung, der Französischen Revolution und dem Wissen und Wirken des aufstrebenden Bürgertums, dem liberalen Gedankengut, dem Wiedereintritt der Konservativen in die Regierung, den sozialistischen Parteien und dem Sozialvertrag und der weitgehend geglückten Integration all dieser Strömungen in unser Staatsgebilde. Es ist viel wert, wenn Spannungen durch Zuhören und Verhandeln weitgehend gelöst werden können und nicht gleich in Separatismus und militärische Konflikte münden. In Südeuropa ist das nicht überall geglückt, z.B. der lange Umweg in Spanien über Francos Faschismus oder dem Auseinanderfallen von Yugoslawien nach Titos Macht in tragische ethnische Kämpfe.
Vermutlich haben diese unterschiedlichen Lösungsversuche mit unterschiedlichen demokratischen Erfahrungen, Bedürfnissen, Werten und Stufen zu tun. Demokratisches Handeln muss gelernt, geübt und laufend verbessert werden können. Da spüre ich wie früher schon auf anderen Auslandreisen, wie ich gleich mehr Respekt vor den vielen, mir manchmal schwierigen und manchmal pingelig oder kleinkrämerisch wirkenden politischen Prozessen in unserem Land bekomme. Vermutlich ist auch eine Portion Glück dabei, dass es bei uns relativ friedlich und gut herausgekommen ist. Es ist auch noch lange nicht alles perfekt und muss es vielleicht auch nicht sein.

Stufenmodelle nutzen und anwenden

Bezüglich Bedürfnisse scheint bei Eritreern noch stark das Überleben und die physische Sicherheit im Vordergrund zu sein, während wir uns in Europa inzwischen meist leisten können, uns der Selbstverwirklichung und metaphysischen Werten zu widmen, z.B. uns mit Spiritualität, Kunst oder einem besseren Verständnis für uns und die Welt zu beschäftigen. Es sind Schlüsse, die wir aufgrund der inzwischen erforschten Bedürfnisse nach Abraham Maslow, der Stufen des Erfassens nach Cook-Greuter oder nach dem StAGES-Modell ziehen dürfen. Auf diese verschiedenen Ausgangslagen, dahinter liegenden Einstellungen oder Bewusstseinsstufen der zwei Länder braucht es unterschiedliche Antworten und Angebote, obwohl in den konkreten, vordergründigen Ausdrucksformen beider Länder z.B. das Überleben, die Unabhängigkeit und weitere gemeinsame Ideale ein wichtiges Gut sind. Deutschland, die Schweiz und einige weitere Europäische Länder sind eine Generation nach dem zweiten Weltkrieg, spätestens seit den Studentenunruhen 1968 unterwegs in die Postmoderne oder ins grüne Mem (nach Spiral Dynamics), während Eritrea sich von Erfahrungen mit Stammeskulturen, Familienclans, Sklaverei und Kolonialisierung eher ins Konventionelle oder in das blaue Mem hinein bewegt. Wenn wir im integralen Umfeld Menschen, Völker und deren Kulturen vergleichen, berücksichtigen wir gerne solche unterschiedlichen Erfahrungshintergründe oder Bewusstseinsstufen. Wir müssen aber aufpassen, dass wir Menschen und Völker nicht einfach nur einordnen, zu vereinfacht darstellen oder gar disqualifizieren, wie es in unserer Gesellschaft oft vorkommt. Wir möchten diese Modelle ja für ein besseres Verständnis, fürs Erkennen von Potentialen und blinden Flecken und zur Unterstützung nutzen. In Eritrea z.B. ist es der Regierung gelungen, durch eine sachliche AIDS-Kampagne die HIV-Infektionen sehr tief zu halten, die Kindersterblichkeit markant zu reduzieren, die Genitalbeschneidung der Frauen zu verbieten, die Gleichstellung von Mann und Frau gesetzlich zu verankern, einen friedlichen Vielvölkerstaat aufzubauen, Wälder aufzuforsten, Naturschutzmassnahmen einzuführen usw., welche wie bei uns zu den Kernanliegen der Moderne und Postmoderne gehören.

Aus diesen Stufenmodellen heraus oder im Vergleich zu einer früheren Lebensphase kann man einen Menschen und ein Land adäquat würdigen, auch wenn sie andere Werte und Handlungen als wir pflegen, vielleicht gar solche, die wir uns selber heute nicht mehr erlauben. Lass uns einen Menschen und ein Land würdigen und unterstützen, wenn es im Vergleich zu früher oder gegenüber anderen deutliche Fortschritte macht. Eine solche Unterscheidung oder Differenzierung ist in der allgemeinen Gesellschaft und Presselandschaft noch nicht selbstverständlich. Wie schnell verurteilen wir ein Land, weil es dort mehr Korruption gibt als bei uns oder weil die Regierung autoritärer ist. Aus einer stufengerechten und wertschätzenden Grundhaltung heraus finde ich, Eritrea verdient eine besondere Würdigung, weil es ein friedliches Miteinander und Gleichgewicht der Stämme, Regionen und Religionen im Land fördert. Im Vergleich zu ethnisch und religiös motivierten schweren Konflikten in anderen Ländern ist das eine besondere Leistung und ein Vorbild für Arabische und Afrikanische Länder. Zu würdigen sind auch die deutlichen Fortschritte im Gesundheitswesen, in der Wasserversorgung, in der Bildung und in der Bekämpfung von Hungersnot. Vermutlich habe ich auf meiner kurzen Studienreise noch lange nicht genügend erfasst, worin sich Eritrea überall verdient macht und was es alles zu tun gibt, um aus der Armut und einem von Krieg gezeichneten Zustand heraus zu kommen.

Lass uns bei einem Land aber auch genau hinschauen und klare, verständliche und angemessene Grenzen setzen, wenn es auf dem Weg in die Demokratie nicht vorwärts kommt oder Menschenrechte verletzt. Ich hoffe, es gelingt uns, darin objektiv, fair und wirkungsvoll zu sein. Es müssen nicht sogleich alle komplexen demokratischen Mechanismen unserer westlichen Staaten verwirklicht sein, aber deutliche Fortschritte sollten dennoch augenfällig werden. Ich hoffe daher auch, es gelingt Vertretern der internationalen Staatengemeinschaft und der Regierung Eritreas, eine Kommission zu bilden, die alle Anschuldigungen und offenen Fragen des COI-Reports zu Menschenrechtsverletzungen überprüfen darf und zu einer gerechten Lösung führt. Es sind einige Punkte darin erwähnt, die unter Umständen viel zu tun geben werden. Ich halte es im weiteren für wichtig, dass man in Schulen und in der Öffentlichkeit ein demokratisches Verständnis fördert, in transparenten Schritten demokratische Mechanismen einführt und der Bevölkerung mehr Mitbestimmung und Mitverantwortung überträgt. Fällt das aus, drohen nach einem Machtwechsel fundamentale Kämpfe zwischen Ethnien, Religionen, politischen Parteien, Familienclans und militärischen Interessengruppen, die aufs Land verheerende Auswirkungen und letztlich wieder sehr unangenehme Folgen für die übrigen Staaten der Welt mit sich ziehen werden.

Sowohl die fördernden als auch die Grenzen setzenden Massnahmen sind komplex und erfordern Unterstützung aus mehreren Ländern und Fachgebieten. Es gibt viele verschiedene Standpunkte, die unterschiedliche Bilder erzeugen. Schier unmöglich, sie in eine einfache Gesamtschau oder nur eine einzige Wahrheit zusammenzubringen. Ich glaube, wir werden neben fachlich fundierten Erklärungen und Lösungen auch mit dieser Unvollständigkeit, diesen konträren Sichtweisen und der Vielfalt leben müssen. Das ist zusätzlich etwas, was wir zu lernen haben: Diese verschiedenen Pole annehmen, trotz Spannungen mit den Menschen in Verbindung bleiben, wo auch immer sie stehen, trotzdem auf etwas hinweisen, was öffnet, heilt und vielleicht gar Licht bringt.

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Verweise auf Medien
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  1. Harnet Street in Asmara. Rechts ein Bau aus der Zeit des Italienischen Faschismus.
  2. Fiat Tagliero, eine futuristische Tankstelle in Asmara
  3. Dächer, Türme und Strassen im alten Stadtteil von Asmara
  4. Passstrasse und Berglandschaft zwischen Asmara und Massawa
  5. Das zerbombte Gebäude der Banco d'Italia in Massawa

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